Dienstag, 22. Mai 2018

Juki MSC 1500 - Abschlussbericht

Viel zu spät kommt hier nun mein Abschlussbericht zur Coverstitch Juki MSC 1500, die ich drei Monate für den nähPark testen durfte :) Die Zeit ist schon lange vorbei, der Bericht genauso lange schon geschrieben und im Nähratgeber online, nur für den Blog fehlte mir einfach die Zeit... Nun aber schnell, bevor ich am 25. den Blog auf privat stelle :'(. 

Die Cover wurde mir unentgeldlich zur Verfügung gestellt, ich werde aber nicht für diesen Post bezahlt. Alles, was ich schreibe, stellt meine persönliche Meinung dar. Aber dennoch handelt es sich bei diesem Post um WERBUNG!
Außerdem muss ich erwähnen, dass ich vorher noch nie gecovert habe, also keine Vergleiche zu anderen Modellen oder Marken ziehen kann!


Zur Maschine:

Die Juki ist eine sehr kleine und handliche Maschine. Auf den ersten Blick fällt der wirklich schmale Durchlass auf, an den man sich wirklich gewöhnen muss.


Vom Zubehör her kann die Juki nicht unbedingt punkten. Sie bringt nur das aller nötigste mit, alles andere muss separat erworben werden.


Wirklich toll finde ich, dass die Juki tatsächlich kaum Platz weg nimmt. Sie passt wunderbar zwischen meine Overlock und meine Nähmaschine auf den Tisch. Die Wege zwischen Ovi und Cover sind somit sehr kurz, man muss sich nur auf dem Stuhl etwas drehen. Auf diese Weise kommt man schnell voran, vor allem bei kleinen Projekten wie Boxershorts, bei denen nur kurze Nähte genäht und danach direkt gecovert werden.


Das Einfädeln hat man schnell im Blut. Interessant finde ich die Fadenführung ganz zu Beginn, bei der einfach der Faden um die Aussparung im Kunststoff gewickelt wird.


Weiter geht es um solche Drehknöpfe. Dort sind ganz feine Drähte, welche die Fadenspannung regulieren. Ich habe ein bisschen bedenken, dass diese filigranen Haken irgendwann verbiegen könnten. Aber innerhalb der Testzeit ist das zum Glück nicht passiert & ich habe auch nichts in der Hinsicht gehört.


Der Fädelweg ist dabei farblich markiert. In meinem „ersten Eindruck“ habe ich ja schon erwähnt, dass ich die Farbwahl etwas unglücklich finde, aber natürlich ist das nur bei den ersten Fädelversuchen von Bedeutung. Danach weiß man einfach wie es geht & bräuchte auch die farblichen Markierungen nicht mehr.


Beim Einfädeln des Greiferfadens haben wohl einige Probleme. Ich finde die Anleitung dafür ausreichend… Was mir aber gar nicht gefällt: es gibt keinen Schalter, der die Maschine blockiert sobald die Klappen geöffnet sind. Zwar steht in der Anleitung jedes Mal, man solle die Maschine beim Fadenwechseln aus schalten, aber spätestens beim Einfädeln brauche ich die Lampe & so wird die Cover wieder eingeschaltet. Kommt man dann auf das Pedal, rattert die Maschine los. Egal ob sie geschlossen oder sperrangelweit offen ist.


Interessant finde ich den Fuß, der rechts und links bewegliche Teile hat (ich habe mal die Pinzette drunter geschoben, damit man sieht wie der Fuß auf der Seite angehoben wird und auf der anderen weiterhin unten bleibt). Ich habe ja leider keinen Vergleich und weiß nicht, ob das Standard bei Covermaschinen ist, aber es ist wirklich eine gute Sache. Ich habe das Gefühl, der Fuß schmiegt sich jeder Stoffdicke an und hat deswegen kaum Probleme mit dicken Übergängen.

Der Nähfuß lässt sich schön hoch heben. Zwar ist das Platzieren des Stoffs durch die vielen Zähnchen des Transporteurs trotzdem schwierig, aber mit ein bisschen Übung bekommt man auch dicke Stoffe gut darunter.


Etwas gruselig finde ich die Birne, die frei im Gehäuse steckt. Da wünschte ich mir eine Kunststoffabdeckung. Ich denke zwar, dass sowas nicht passiert, aber dennoch habe ich Angst, dass sie plötzlich zerspringt und alles mit Glas bedeckt ist.
Die Ausleuchtung finde ich übrigens nicht so optimal. Das Licht ist ziemlich gelbstichig und nicht sehr hell.

Hier sieht man wie sich der Stoff aufgrund des schmalen Durchlasses auftürmen muss.  An der Stelle musste die Kapuze einer Sweatjacke, gefüttert mit Jersey, durch den Durchlass gestopft werden. Es hat gerade so geklappt, aber mit einigem Gefummel. Aber was ist, wenn man z.B. richtig dicken Fleece nimmt? Oder wenn es starreres Material, wie zum Beispiel Wachstuch, ist? Passt das dann überhaupt da durch? Ein weiteres Problem ist, dass der Stoff teilweise oben an den Faden stößt und damit das Stichbild versaut…


Beim Nähen muss man immer wieder stoppen um den Stoffwulst zusammen zu rollen. Hier wäre es fast passiert und der Stoff wäre mitgefasst worden.
Zum Nähen:


Wirklich toll finde ich, wie schnell man mit der Cover saubere und professionell wirkende Abschlüsse hinbekommt. Egal ob Einfassbündchen oder  Saum, alles klappt super und schaut gut aus.


Dabei kann man zwischen einer „normalen“ Doppel- oder Dreifachnaht…


…Und der sportlichen Variante wählen. Dabei kommt es darauf an, welche Seite beim covern oben liegt. Will man einen ordentlichen Saum mit Doppelnaht, näht man auf der rechten Stoffseite. Für die sportlichen Covernähte näht man auf der linken Seite. Auf der rechten Seite entsteht durch den Greiferfaden das typische Stichbild (hier mit Farbverlaufsgarn).

näht das gute Stück aber auch ganz gerne mal am Anfang auf der Stelle. ..


…oder lässt die ersten paar Stiche aus… Anfangs dachte ich, ich würde den Stoff zu weit drunter schieben und somit zu spät anfangen zu nähen. Aber dann bemerkte ich, dass die Naht einfach erst nach ein paar Stichen greift. Das sieht natürlich nicht schön aus. Erst habe ich das mit der Hand verbessert, aber das ist eine echt nervige Arbeit & so habe ich getestet, was dagegen hilft: die ersten 3-4 Stiche mit dem Handrad nähen kann helfen, oder vor den eigentlichen Stoff ein (gleich dickes) Stück aus der Restekiste legen und auf dem die ersten paar Stiche machen.  Bis das Nähstück dann kommt, greift die Covernaht.


Neben den berühmten Covernähten gibt es noch den 2-Faden-Kettenstich. Und dieser hat es mir wirklich angetan. Ich liebe ja auch den 3-fach Geradestich bei der normalen Nähmaschine, aber dieser Stich der Cover ist so viel besser! In dem Beispiel habe ich einen grauen Jeansstoff mit rotem Bauschgarn verschönert. Das geht so unglaublich schnell und sieht toll aus!


Mit Hilfe des Kettenstichs ist es auch möglich knappkantig abzusteppen, so dass man für viele Sachen die normale Nähmaschine nicht mehr benötigt. Allerdings ist die Cover bei Rundungen und Ecken sehr viel schwerfälliger.


Vor jeder Naht ist ein Probestück unter realen Bedingungen sinnvoll. So seht ihr hier links mein Teststück auf doppeltem Sweat. Rechts dagegen die Naht auf meinem Projekt. Der Unterschied: dort waren es drei Lagen Stoff, im Test nur zwei & schon war die Fadenspannung nicht richtig eingestellt.

Hier habe ich die Spannung während dem Nähen verändert. Der deutlichste Unterschied ist zwischen 4 und 5. 4 Sieht katastrophal aus.


Selbstverständlich habe ich auch ein bisschen experimentiert. Leider lange nicht so viel, wie ich gerne hätte, aber Ihr wisst ja wie das mit zwei kleinen Kindern ist… Hier wollte ich eine melierte Naht bekommen. Da ich leider kein Verlaufsgarn in weiß-blau habe, hatte ich einfach zwei Fäden gleichzeitig in den Greifer geschoben. Einmal weißes Wollgarn und dazu hellblaues Stickgarn. Komplett unterschiedliche Garne also. Das eine dick und flauschig, das andere ganz glatt und rutschig. Der erste Versuch (ganz unten) sah auch wirklich schlimm aus. Mit ein paar anderen Einstellungen wurden die Nähte zum Schluß ganz passabel (zweite von unten). Verwendet habe ich es trotzdem nicht, der gewünschte Effekt kam leider nicht so deutlich raus. Aber schön zu wissen, dass das auch klappt ;)

So, nun die Frage aller Fragen… Braucht man eine Coverstich?
Nun ja… so ganz infiziert hat mich die Coveritis nicht. Ich gehöre eindeutig nicht zu den Menschen, die jede Naht covern müssen. Es sieht teilweise toll aus und wirkt professionell. Schwierig ist es auch nicht, man muss einfach nur üben. Aber irgendwie sieht man Covernähte inzwischen überall, so dass es mir einfach schon ausgelutscht vorkommt. Außerdem gefallen mir die betonten Nähte nur bei sportlichen Sachen. Aber für ordentliche Säume ist sie natürlich Gold wert. Deswegen hätte ich absolut nichts dagegen, wenn so eine Maschine bei mir dauerhaft im Nähzimmer stehen würde ;)
Ob das allerdings die Juki werden würde, kann ich gar nicht sagen. Ich würde auf jeden Fall noch eine andere testen wollen. Eine mit einem größeren Durchlass…  Die Juki arbeitet gut und ist dabei relativ leise. Da gibt es absolut nichts auszusetzen. Schön wäre nur etwas mehr Platz für große oder störrische Projekte. Toll finde ich den flexiblen Fuß, die absolut einfache Bedienung  und die Größe der Maschine.
Ein Punkt, den man aber auf keinen Fall außer Acht lassen sollte: man braucht jede Menge Garn! Sollte man gleichzeitig mit der Overlock nähen (und nicht ständig die Konen umfädeln wollen!) wären das 8 Konen pro Farbe! Und das geht ins Geld und nimmt natürlich auch jede Menge Platz weg… Aber dafür hat man wellenfreie Nähte und ist sehr schnell fertig ;)