Freitag, 20. März 2015

Testbericht Bernina B580

Schon wieder sind 4 Wochen um. Die nächste Maschine muss mich verlassen, diesmal eine Näh-/Stick-Kombimaschine der Firma Bernina. Deswegen gliedert sich der Bericht auch auf, erst Nähmaschine, dann Stickmodul.

Bevor ich Euch jetzt schreibe, wie es mir in den letzten 4 Wochen ergangen ist, erst noch die Fakten über den Test:
20 Tester testen 10 Monate lang 10 verschiedene Näh- und Stickmaschinen,  immer 4 Wochen pro Maschine. Im September konnte man sich dafür beim nähPark bewerben und ich hatte das Glück  neben 18 anderen kreativen Damen  und einem Herrn aus 422 Bewerbern ausgewählt  zu werden :)  Die Maschinen werden vom nähPark zur Verfügung gestellt und (leider) nach dem Testzeitraum wieder abgeholt. Ich werde aber nicht dafür bezahlt & der Inhalt dieses Berichts stellt meine eigene Meinung dar. Als "Belohnung" bekommen wir am Ende des Testzeitraums einen Einkaufsgutschein in Wert von 100 €. Unbezahlbar ist natürlich die Erfahrung, die wir mit den Maschinen gewinnen können. Wer bekommt schon die Chance zehn verschiedene Maschinen über 4 Wochen auf Herz und Nieren testen zu dürfen? Aber dennoch handelt es sich hier um einen Werbepost & da man das ja deutlich machen muss: Dies ist Werbung :)


Das  ist es, das Schätzchen. In seiner einfachsten Form. Ohne Stickeinheit oder Anschiebetisch. Klein, kompakt, irgendwie seltsam^^. Seltsam soweit, dass sie ganz anders ist, als alle Maschinen, mit denen ich bisher genäht habe. Wieso werde ich Euch noch erzählen. 
Die B 580 ist die zweitteuerste Maschine bei diesem Test (momentan 4099 € beim nähPark!). Aber man sieht Ihr den Preis auch an. Die Bernina ist sehr gut gearbeitet, fühlt sich super an, ist optisch edel gestaltet, mit den Chromteilchen und dem hochglänzenden Lack (jaja, Ihr habt sicher gesehen, dass da noch die Folie drauf klebt! Meinem Mann juckt es bei sowas immer direkt in den Fingern, ich musste ihn streng ermahnen^^, dass er die Folie drauf lässt. Immerhin hat die Maschine noch eine weite Reise vor sich und soll am Ende noch so schön wie möglich aussehen). Leider wieder in schwarz, mir wäre eine andere Farbe lieber, aber  s/w ist nun mal zeitlos elegant.
Eigentlich müsste ich hier an dieser Stelle auf meinen ersten Post zu dieser Maschine verweisen, zum ersten Eindruck. ABER ich habe es tatsächlich irgendwie verschlafen. Wieso? Keine Ahnung. Die Photos sind gemacht (und es wurde viel gelacht, die Kapelle rumtata und der Papst war auch schon da - oops, ich sollte aufhören rumzublödeln. Immerhin ist das hier ein ernsthafter Testbericht^^) aber irgendwie hab ich dann vergessen auch etwas dazu zu schreiben. Als ich es merkte, waren die ersten 2 1/2 Wochen um. Da lohnt sich ein "erster" Eindruck wirklich nicht mehr^^. Deswegen erzähl ich Euch heute, was mir anfangs durch den Kopf ging, und wie ich es heute empfinde.



Beim Auspacken war ich erst mal hin und weg. Klar, wann hat man schon mal die Gelegenheit eine Nähmaschine in diesem Preisbereich auszupacken? (Außer natürlich, man arbeitet beim  Fachhändler^^)

Toll fand ich, dass eine wirklich gut gearbeitete und stabil aussehende Reisetasche dabei ist. Aber schon nach ein paar Augenblicke: Wo ist die Staubabdeckung? Gibt es nicht. Für mich unverständlich, da die Maschine sicherlich mehr ungenutzt rum steht als auf Reisen ist. Und jedes Mal in die Tasche heben möchte ich sie auch nicht. Aber egal, dafür hat man ja eine Nähmaschine. So eine Hülle ist ja ruck zuck genäht (hab ich mir allerdings geschenkt, immerhin ist sie nur ein kurzer Gast und in der Zeit täglich im Betrieb, da kann sich gar nicht so viel Staub absetzen (außer im Unterspulenfach *hust*)
Das Fußpedal fiel sofort auf, da es sehr hochwertig und stabil ist und eine gummierte Vorderseite hat. Genial ist auch die Kabelaufwicklung auf der Rückseite!
Nächste "Süßigkeit": ein Minischrank fürs Zubehör! Anfangs fand ich ihn super niedlich (auch wenn er bei geschlossenen Türen eher an einen Sicherungskasten erinnert - hab ich jetzt nicht photographiert weil man mich in der Spiegelung so deutlich sieht ;)), dann total doof und unpraktisch, da er keinen festen Platz hatte und immer zu weit weg stand, inzwischen wieder super! Man muss sich nur eben einrichten, dann passt es schon. 
Allerdings gibt es dafür kein Fach am Anschiebetisch (ganz unpraktisch, wo liegt denn nun der Nahtauftrenner?) aus dem einfachen Grund: es gibt keinen herkömmlichen Anschiebetisch! Ziemlich ungewohnt, hat aber auch wieder einen bestimmten Grund... Die Unterfadenspule sitzt nicht direkt unter der Nadel sondern viel weiter unten. Ich hab Euch mal ein paar kleine Pfeilchen auf das Bild oben gemalt, damit Ihr Euch besser orientieren könnt. 

Da unten, hinter der Klappe, sitzt die Unterfadenspule!So sieht es drinnen aus. Für mich vollkommen neu und anfangs "total unpraktisch und fummelig". Aber inzwischen habe ich mich dran gewöhnt, kann die Spule quasi mit verbundenen Augen tauschen. Und es hat riesen Vorteile: man muss sein Nähgut/ den Stickrahmen bei einem Wechsel nicht weg nehmen!
So sieht die Maschine mit Anschiebetisch aus. Leider ist die Platte etwas wackelig, man sollte es tunlichst vermeiden sich drauf zu stützen! Aber die meiste Zeit habe ich eh ohne Tisch genäht, deswegen war mir das wurscht. Aber auch, wenn sie dran ist, der Unterfaden lässt sich gut wechseln. Das Sichtfenster in der Platte hilft einem zwar nicht wirklich, aber es lässt Licht nach unten. Und das ist praktisch (wenn nicht sogar der Sinn dahinter^^). 
An dem Bild erkennt man auch gut die Ausleuchtung des Arbeitsbereichs. In meinen Augen ist sie okay, nur ganz rechts etwas schwach, aber da finde ich es auch nicht so wichtig.
Auch ganz ungewohnt: die Füßchen kommen mit integrierter Füßchenstange (von links nach rechts: Blindstichfuß, Knopflochfuß, Standardnähfuß – natürlich ist das nur ein Teil, Genaueres findet Ihr bei der nähPark Produktbeschreibung im Lieferumfang). Die Füßchen haben teilweise Linsen (?) oben an der Stange, mit denen sie der Maschine mitteilen, wer sie sind (jedenfalls nehm ich es an), deshalb wirken sie etwas grob und massig.
So sieht der Fußwechsel aus: Links mit dem Stopffuß, rechts beim Tauschen. Der Fuß wird einfach auf den silbernen Zapfen gesteckt und mit dem Hebel (kann man grad auf dem Bild noch erahnen) festgeklemmt.
Selbstverständlich hat die Maschine auch einen USB Anschluss. Der An-/Aus-Schalter ist etwas schlecht angebracht, finde ich (und auch meine Gast-Testerinnen). Die kleine "Antenne" oben ist für schwierige Garne wie z.B. Metallic-Fäden gedacht und lässt sich einklappen. 

Das kleine Loch in der Mitte der Abdeckung verlockt einen, den Stylus rein zu stecken (der liegt übrigens auf dem Bild links neben der Maschine. Das mit der schwarzen Kappe). Dann würde man ihn wenigstens immer wieder finden (und er verschwände nicht plötzlich unter der Maschine ;)), aber ich konnte mich grade noch beherrschen. Wobei er vom Durchmesser auch reinpassen würde ;P

 Natürlich gibt es auch einen Ober- und Unterfadenwächter. Der Unterfadenwächter schlägt allerdings beim kleinsten Fädchen an, wenn er gebraucht wird, aber nicht^^. Jedenfalls nicht immer. Und wenn die Spule leer ist, ist sie leer. Die anderen Maschinen haben teilweise sehr sehr früh gewarnt, die Bernina warnt erst, wenn das Garn komplett weg ist ;)
Gut gefällt mir, dass man das Garn sieht, wenn man vor der Maschine sitzt. So hat man immer direkt eine Kontrolle, ob es gut abwickelt etc. Dafür ist der Einfädelweg des Oberfadens eher sparsam erklärt. Meine Gäste haben alle das silberne Kreiseldings (mitten auf der Maschine) mitgenommen, obwohl es nur für die Umspulung des Unterfadens (ganz rechts der Haken) ist. 

Das Display ist relativ klein, ganz anders als bei der ersten Stickmaschine, die ich hatte. Daraus resultiert ein nicht ganz so hoher Komfort, jedenfalls beim Sticken. Ansonsten ist es gut, Kontrast, Helligkeit, Druckempfindlichkeit, alles okay. Die Hintergrundfarbe kann man ändern, was ich ganz niedlich finde...

Die Anleitung gibts als praktisches Ringbuch. Allerdings wirkt sie nicht sonderlich hochwertig, eher als hätte sie jemand privat auf dem Drucker ausgedruckt (vom Papier her etc.). Den Vogel schießt allerdings die Übersicht der Stickdateien ab:
Hey, Bernina-Team, das ist echt peinlich! Also unsichtbar sticken kann meine Billigmaschine auch^^. Und nein, das liegt nicht an der der schlechten Qualität meines Bildes, so sieht es teilweise wirklich in der Anleitung aus! Manchmal besser, manchmal schlechter. Wer sich davon überzeugen möchte, schaut sich am Besten die Stichübersicht auf der nähPark-HP an. Dort sind die Muster besser zu erkennen, da hat wohl jemand viel Zeit und Mühe investiert aus den Scans das Maximum rauszukitzeln ;)

Ach ja, eine Übersicht von den "normalen" Stichen gibt es übrigens nicht direkt an der Maschine. Sehr bedauerlich, muss man sich so durch das (etwas komplizierte) Menü der Maschine klicken, auf der Jagd nach dem perfekten Stich (aus über 200) oder jedes Mal die Anleitung rauskramen (die sicherlich nach den ersten Tagen in irgendeiner Schublade verschwindet).

So sieht es dann aus (Natürlich nicht so krumm, die Maschine steht gerade, nur die Bedienerin des Photoapparats ist nicht fähig, denselben gerade zu halten^^). Genauer möchte ich jetzt nicht drauf eingehen, wenn jemand Interesse an der Beschreibung der Symbole hat, einfach nachfragen.
 Und so, wenn man einen Zierstich sucht *uffz*.
 Genial finde ich den Stichberater, dargestellt mit der Schneiderpuppe. Drückt man darauf,
 erscheint diese Auswahl (wobei ich mich frage, wer auf Zebra näht^^). Man sucht die passende Gewebeart aus (falls man nicht weiß, was welches Symbol bedeutet, die Hilfe hilft Dir - das Zebra bedeutet übrigens Pelz/Kunstpelz).
 Dann noch auswählen, was man gerne machen möchte
 und schon gibts die Empfehlung, welche Nadel, Garn, Fuß man braucht. Wirklich sehr praktisch. Hat auch immer gut geklappt. 

 Zum Nähen:


  Ich habe Baumwolle, Jersey, Jeans, Seide, hochfloriges Fleece, Polsterstoff und Wachstuch vernäht. Die Maschine gleitet nur so darüber, alleine Jersey zeigt die typischen Wellen. Obwohl man den Füßchendruck wunderbar per Drehrad stufenlos einstellen kann, ändert sich nichts an der Wellenbildung.

Auch dicker & mehrlagiger Stoff (links) wird gut genäht, allerdings bleibt sie gerne mal beim Übergang von zweilagig zu sechslagig hängen (rechts). Manchmal meistert sie das allerdings mit Bravour, um dann mit dem hinteren Teil des Füßchens auf dem Berg zu liegen und nicht weiter zu kommen. Abhilfe schafft der mitgelieferte Höhenausgleich. Jedenfalls an so einfachen Stellen wie auf dem Bild rechts.

Die Geschwindigkeitseinstellung wird entweder per Hand an einem Regler gemacht, oder durch dosierten Druck auf das Fußpedal. Genauso kann man entweder mit eben jenem Pedal nähen, oder durch das Drücken des Start-/Stoppknopfes (ohne das Pedal auszustöpseln^^). Den hab ich allerdings gefressen, da ich irgendwie zu lange Fingernägel habe um ihn ordentlich rein zu drücken. Und mit den Fingernägeln drauf drücken mag ich auch nicht, da das meistens im Gummi unschöne Abdrücke hinterlässt.

Wichtig ist mir immer, dass ich entscheiden kann, wo die Nadel bei einem Stopp stehen bleibt. Ob im Stoff oder oben. Das ist bei der Bernina sehr gut gelöst. Schade finde ich nur, dass das Füßchen nicht automatisch angehoben wird, sobald man den automatischen Fadenabschneider den Faden abschneiden lässt (hehe).

Aber dafür ist ja der berühmte Kniehebel da. Wobei ich sagen muss, dass ich davon noch immer kein großer Freund bin. Irgendwie ist der bisher immer so angebracht, dass ich sehr seltsam auf dem Stuhl sitzen muss, damit ich ihn verwenden kann. Da zieh ich die Handbedienung vor. 


Der Reißverschlußfuß ist super. Mehr gibts dazu nicht zu sagen ;)Der Knopflochfuß (hab ich Euch oben schon gezeigt) funktioniert auch super, nur sollte man die Maschine den Faden danach nicht automatisch abschneiden lassen, da sie dann an das Knopfloch ein "Schwänzchen" näht. Die Stiche sehen so stark vergrößert ziemlich unregelmäßig aus. Am genähten Stück sieht man das allerdings nicht.
Die gewünschte Knopflochlänge misst man entweder einfach mit dem Maßband aus, oder hält den Knopf wie im oberen Bild gezeigt, gegen die untere rechte Ecke. Dort erscheint ein Viereck, welches man mit Hilfe des Stichbreitenreglers auf die Größe des Knopfs ändern kann. Die Maschine rechnet auf den so ermittelten Durchmesser noch 2 mm drauf und näht dann selbstständig die Umrandung des Knopflochs. Schön ist, dass man das genähte Knopfloch abspeichern und jederzeit neu nähen kann.

Knöpfe annähen kann die Maschine entweder mit einem speziellen Fuß (nicht im Lieferumfang enthalten) oder dem Stopffuß, was ich allerdings unpraktisch finde.
In der Anleitung steht, man soll den Knopf unter den Stopffuß legen (welcher jedoch den Knopf nicht richtig fest hält), dann die Stichbreite per Handrad testen (was auch nicht funktioniert, da die ersten paar Stiche immer ins selbe Loch gehen, bis sie ins andere springen, dreht man eine ganze Weile) und los gehts. Anfangs sah es ganz gut aus, dann traf die Nadel plötzlich den Steg (ganz links). Zum Glück ist nichts passiert, der Knopf wurde einfach nur durchstoßen. 
Nach der Fertigstellung hängen beide Fäden vorne. D.h. per Hand nach hinten bringen. Da kann ich auch direkt selbst nähen, geht genauso schnell ;) Wobei, eigentlich steht in der Anleitung, dass man nur am Unterfaden ziehen muss, der holt dann den Oberfaden nach unten. Ganz rechts im Bild seht Ihr, wie mein Unterfaden aussieht. Da ist nichts mit grade mal schnell dran ziehen... Das nächste Problem: durch den kleinen Stopffuß ist der Lochabstand des Knopfes stark limitiert. Ich wollte mit der Maschine 3 Knöpfe annähen, bei einem ging alles gut, bei dem nächsten durchstach die Maschine den Steg und beim dritten konnte sie es nicht mal versuchen, da die Löcher zu weit auseinander standen. Also ganz und gar nicht überzeugend.

Zum ersten Mal habe ich mit einer Zwillingsnadel versucht zu nähen. Leider ohne Erfolg. Links seht Ihr einmal das Nähgut von unten (mit dem gelben Faden in der Mitte) und von oben (ZickZack in grau und rot). Leider habe ich es -trotz mehrfachem Einfädeln und genauem Befolgen der Anleitung- nicht geschafft, ein vernünftiges Ergebnis zu erzielen. Komisch war auch, dass das graue Garn beim nähen unten an der Nadel immer Schlaufen bildete und sich irgendwann um die Nadelschraube legte (siehe rechtes Bild). Allerdings bin ich mir sicher, dass das eher ein Anwendungs- als ein Maschinenfehler ist.

Ein ganz besonderes Spielzeug ist dieses Schätzchen. Der Bernina Stitch Regulator. Dieser kleine Sonderfuß kostet doppelt so viel wie meine eigene Nähmaschine! Und nein, ich hab keine NäMa für 79 € sondern immerhin für 250 €. Weil er so was Besonderes ist, kommt er natürlich auch schön verpackt und besonders gut gepolstert. Was der Kleine kann? Ein Sensor misst beim Freihandquilten/ Nähmalen die Geschwindigkeit, in der der Stoff unter dem Fuß bewegt wird und passt die Stichlänge automatisch an. Mit ein bisschen Übung sollte es damit gelingen perfekt gleichlange Stiche zu bekommen.

Diese Übung fehlt mir natürlich, wie überhaupt die Übung beim Freihandsticken (sieht man aber gar nicht^^). Ich hab zum Vergleich einmal mit dem ganz normalen Stopffuß und Geschwindigkeit per Pedale (grünes Garn) und daneben mit dem BSR (logischerweise gelbes Garn) ein "Kunstwerk" gesteppt. Ich finde, man sieht schon ganz deutliche Unterschiede!

 Die Frage ist: lohnt sich dieser Fuß? Ich denke, wenn jemand sehr viel freihandquiltet oder nähmalt, dann wäre er sicherlich sein Geld wert. Wenn man das nur alle Schaltjahre mal macht, lohnt es sich eher nicht, da man auch für den BSR ein bisschen Übung braucht. Aber wenn er schon bei der Maschine dabei ist: COOL!


Zum Sticken:

Das Stickmodul ist ratzfatz an die Maschine montiert. Nur anschieben, Stecker rein, Fuß, Nadel und Spule wechseln, Transporteur versenken und los geht! 
Das Modul selbst ist gar nicht so groß, wie ich es mir vorgestellt hatte. Es kann also auch locker im Schrank verschwinden, sollte es mal nicht gebraucht werden. Vorne ist übrigens ein Fach versteckt, d.h. beim Sticken ist der Nahtauftrenner dann gut aufgehoben^^.

Im Lieferumfang sind zwei Stickrahmen, ein kleiner und ein etwas größerer. Der maximale Stickbereich beträgt jedoch nur 255 x 145 mm. Zu groß, für die kleinen Dateien, zu klein für viele der großen. (Aber dafür kann man die Dateien so viel verkleinern, wie man sich traut. Wobei es da -wie mir gesagt wurde- Probleme in der Datei geben kann und von manchen Stickmusterdesignern sogar untersagt wird, wenn es mehr als ± 20 % sind.)


Die Rahmen wirken leider nicht sonderlich hochwertig, sie haben nur eine starre Schraube, so dass es ziemlich frickelig ist diese ordentlich fest zu ziehen, solange der Rahmen plan auf dem Tisch liegt. Das ist jedoch nötig, da sie nach unten keine Begrenzung haben, so dass der obere Stickrahmen einfach durchrutschen kann. Der kleine Rahmen macht allerdings kaum Probleme, beim ovalen ist es da schon deutlich schlimmer.  



Die Anbringung der Rahmen am Stickmodul ist etwas frickelig, da man sie von oben in eine Metallschiene  stecken muss (je nachdem wo das Modul grade steht sieht man schlecht/ muss sich verrenken). Bei der Brother V3 ist es wesentlich eleganter gelöst, dort schiebt man den Rahmen einfach von vorne nach hinten in die Halterung. Aber es ist stabil, ohne zu wackeln.
 Die Maschine schaltet automatisch auf Stickbetrieb um, man hat die Wahl zwischen Dateien von der Maschine oder vom USB-Stick.
 Die maschineninternen Stickdateien sind grob nach Thema unterteilt, die Übersicht gefällt mir jetzt nicht so gut, aber man gewöhnt sich dran.
 Die momentan gestickte Farbe wird ziemlich kontrastarm dargestellt. Im dem Bild oben geht es ja noch,
 aber hier? Was wird hier wohl gestickt? Genau, NUR die Zähne! Da wäre ein größeres Display auf jeden Fall von Vorteil!

 Was mir gut gefällt: Wenn man links unter dem Display auf das Haus drückt, kann man wählen, ob man nähen oder sticken will. Entscheidet man sich fürs nähen, fährt der Schlitten ganz nach hinten und man kann die Maschine trotz angebautem Modul ganz normal verwenden (natürlich nur, wenn man den Fuß etc. wieder wechselt).

Schlecht ist, dass der Einfädler nicht funktioniert, wenn man zu nah am Rahmen ist.
Komischerweise gab es beim Sticken auch sehr oft Probleme mit dem Oberfaden. Grade meine drei Gäste fädelten oft falsch ein, obwohl sie eigentlich alles richtig machten. Auf der Unterseite bildeten sich riesige Knoten, der Faden riss, die Nadel brach ab... Sobald ich dann das Einfädeln übernahm, ging es wieder besser. Wieso versteh ich nicht. Schließlich habe ich ihnen gezeigt, wie es geht und auch zugeschaut. Gerne blieb der Oberfaden an der Stelle oben im Bild hängen. Dort bewegte er sich keinen Millimeter vor oder zurück, so dass nur der Griff zum Schraubenzieher half.  

Der Einfädler war auch keine große Hilfe, zwei der drei Gäste stiegen nach kurzer Zeit dazu um, den Faden per Hand einzufädeln. Leider bleibt das Garn sehr häufig an irgendeinem Teil vom Einfädler hängen, so dass sich die Schlaufe wieder aus der Nadel zieht. Beim Sticken ist das natürlich besonders nervig. Vor allem, wenn man sehr viele Farbwechsel vor sich hat.

Beim Sticken ist die B580 leider deutlich lauter. Sie rattert nicht nur viel stärker, sie klappert, scheppert, quietscht auch. Teilweise hatten wir Angst, dass sie gleich zusammen bricht (aber das war wohl übertrieben^^).

Was mich extrem stört: die Maschine stickt immer ein paar Stiche und hält dann an, damit man den Anfangsfaden abschneiden kann. Das ist sehr ermüdend und nicht wirklich wirkungsvoll, da man oft gar nicht richtig dran kommt (kann man allerdings umgehen, indem man den Faden nach dem Einfädeln relativ kurz durchzieht, dann verschwindet das Ende komplett unter dem Stoff). Zudem schneidet die Maschine am Ende die Fäden nicht kurz genug, so dass immer noch etwas raus schaut. Nach Sprüngen in der Stickerei wird übrigens nicht verlangt, dass man den Faden abschneidet. Entsprechend sieht die Stickerei am Ende dann auch aus.

Der Kolibri ist bereits in der Maschine enthalten (und schon stark „geputzt“, direkt aus der Maschine sind deutlich mehr Fäden zu sehen). Ich finde die Stickerei sehr unruhig, gefällt mir nicht so richtig. 

Dies ist auch eine integrierte Datei. Irgendwie ist das Muster komplett versetzt. Obwohl wir den Rahmen nicht entfernt und auch sonst nichts verändert haben. Die Sterne sollten eigentlich in der roten Umrandung sein. Der Stern, der mit dem Pfeil markiert ist, gehört auch nicht so platt, sondern genauso, wie die anderen Sterne.
 

 Ähnlich sah es bei diesem Freebie aus. Da stickte die die Maschine die Umrandung der Applikation um 1-2 mm versetzt. Und das lag nicht an der Datei, davor hatte ich bereits einen Muffin gestickt, der sah danach 1a aus!

 Bei dieser Kaufdatei von urbanthreads bildete sich ein "Stängel" zwischen den zwei Blatthälften. Sieht zwar ganz nett aus, ist aber nicht so gewollt. Gestickt wurde auf Vlies und Stickfilz.

Zum Glück gab es auch gute Ergebnisse:
z.B.: Vollflächig: Kaufdatei von urbanthreads. Bei der gab es anfangs massiv Probleme, als mein Gast selbst einfädelte. Leider sind deswegen die Vorderbeine etwas hubbelig. Der Körper ist jedoch sehr schön gestickt. Der Goldfaden gab die nächsten Probleme, aber dafür, dass das richtige Zubehör (Spezialnadel etc.) fehlte, hat die Maschine es gut gemacht.
 ITH: Freebie von Regenbogenbuntes
Applikation: Freebie von Huups

Noch ein paar Worte zum Schluß:

Die Bernina ist eine gute und solide Nähmaschine. Jersey macht zwar (wie bisher bei allen) Probleme, ansonsten näht sie aber sehr gut. Die Stickeinheit gefällt mir nicht, auch wenn es sehr praktisch ist, dass man auch mit angeschlossenem Stickmodul nähen kann. Kaufen würde ich die Nähmaschine vielleicht, die Kombimaschine nicht.





Nähmaschine

Pro:
näht gut und zuverlässig
hochwertig gebaut, hochwertiges Zubehör
  nicht sehr laut
tolles Pedal mit praktischer Kabelaufwicklung
Kniehebel
Transporttasche
Zubehörschrank
Toller Knopflochfuß, KL kann gespeichert werden
Nähberater
Automatischer Abschneider
Nadelposition frei wählbar
Garn sichtbar
Unterfadenwechsel ohne Stoffwegnahme möglich
gute Ausleuchtung

Contra:
keine Staubabdeckung
Unterfadenwächter nicht sehr zuverlässig
kein vernünftiger Knopfannäh-Fuß dabei
letzter Stich nach dem Abschneiden geht in eine ganz andere Richtung: fällt immer auf!
keine Stichübersicht direkt an der Maschine
☁ nur 5 Spulen (und das bei ÜBER 4000 €!)

Stickmodul

Pro:
schnell und einfach montiert
relativ klein
integriertes Fach
besser als keine Stickmaschine ;)

Contra:
relativ laut, Maschine quietscht und scheppert teilweise
Maschine stoppt nach wenigen Stichen zum Faden abschneiden
bei Sprüngen bleibt der Faden einfach auf der Stickerei liegen, keine Abschneidpause -> sinnlos, es beim Anfang zu machen
zu kleines Display
schlechte Übersicht
aktuell genähte Farbe zu kontrastarm dargestellt
Designs in der Anleitung sehr schlecht gedruckt, teilweise kaum zu erkennen
viele Probleme beim Einfädeln
Muster verschiebt sich teilweise beim Sticken

1 Kommentar:

  1. Der Beitrag ist zwar schon eine ganze Weile her aber sehr informativ. Danke dafür. Habe mir vor ca. 3/4 Jahr eine Pfaff Quilt Expression 4.2 gegönnt und wurde stutzig, ob es die richtige Entscheidung war, da alle (wirklich alle) Nähfreundinnen eine Bernina 560 oder höher haben. Auch wie du, lege ich viel wert auf die Qualität einer Nähmaschine und bin gottfroh meine Pfaff nicht für eine Bernina eingetauscht zuhaben.
    liebe Grüße
    Elli

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Danke für Deinen Kommentar :)