Freitag, 16. Januar 2015

Testbericht Singer Quantum Stylist 9985

Mir fällt es grade sehr schwer, mit meinem Testbericht zu beginnen. Eigentlich mag ich nicht so viel Negatives über die Maschine schreiben, aber wir sind leider keine Freunde geworden. Was aber nicht bedeutet, dass die Singer schlecht ist, sondern nur, dass sie für mich nichts ist. Und vielleicht auch, dass es sich bei "meiner" um eine Montagsmaschine handelt, da die beiden Testerinnen vor mir sehr zufrieden mit ihren Modellen waren (ihre Berichte könnt Ihr hier nachlesen). Es gibt übrigens von jedem Testgerät vier Exemplare. Jeweils zwei im Umlauf und zwei in Wartung. Was bedeutet,  dass "meine" noch ganz neu ist. Ich bin gespannt,  ob die nächste Supertesterin, die genau diese Maschine bekommt, ähnliche Probleme hat.

Falls Ihr jetzt ein dickes Fragezeichen über Eurem Kopf schweben habt, wovon ich überhaupt spreche, hier eine kurze Info (Ihr andere könnt das ja einfach überspringen):

20 Tester testen 10 Monate lang 10 verschiedene Näh- und Stickmaschinen,  immer 4 Wochen pro Maschine. Im September konnte man sich dafür beim nähPark bewerben und ich hatte das Glück  neben 18 anderen kreativen Damen  und einem Herrn aus 422 Bewerbern ausgewählt  zu werden :)  Die Maschinen werden vom nähPark zur Verfügung gestellt und (leider) nach dem Testzeitraum wieder abgeholt. Ich werde aber nicht dafür bezahlt & der Inhalt dieses Berichts stellt meine eigene Meinung dar. Als "Belohnung" bekommen wir am Ende des Testzeitraums einen Einkaufsgutschein in Wert von 100 €. Unbezahlbar ist natürlich die Erfahrung, die wir mit den Maschinen gewinnen können. Wer bekommt schon die Chance zehn verschiedene Maschinen über 4 Wochen auf Herz und Nieren testen zu dürfen? Aber dennoch handelt es sich hier um einen Werbepost & da man das ja deutlich machen muss: Dies ist Werbung :)

 Hier seht Ihr das Maschinchen (meinen ersten Eindruck könnt Ihr hier nachlesen). Sie ist wirklich hochwertig, gut verarbeitet, wirkt sehr robust, fühlt sich super an. Sie ist auch ziemlich klein & kompakt, wiegt aber für ihre Größe relativ viel (9,2 kg), was für eine gute Standfestigkeit sorgt. Allerdings empfinde ich den Freiarm mit nur 18 cm (was ein Blödsinn! gemeint ist der) Zwischenraum zwischen Nadel und Maschine als ziemlich kurz. Was bei einem großen Quilt sicherlich zu Platzproblemen führt (habe ich aber nicht testen können).
 Oben lässt sich eine Klappe öffnen, unter der sich der Oberfaden befindet (das konntet Ihr Euch sicherlich denken^^). Dort ist auch eine Stichübersicht, was natürlich sehr praktisch ist, da man die Stiche jederzeit im Blick hat & nicht erst im Menü oder in der Bedienungsanleitung suchen muss. 
Unten im Anschiebetisch findet sich (wie meistens) eine Zubehörbox. Bei mir total chaotisch vollgestopft mit allen Zubehörteilen wie Nähfüßen, Auftrenner etc. (den genauen Lieferumfang könnt Ihr hier nachlesen und hier hatte ich ein Bild davon eingestellt).
 Die Stiche wählt man über das Touch-Display aus. Links im Bildschirm sieht man immer eine Vorschau des gewählten Stichs & wie er sich ändert, wenn man etwas an der Stichbreit bzw. -weite ändert. Dazu kommt eine Information, welchen Fuß man für diesen Stich wählen sollte (wobei es bei einigen Stichen auch mehrere Möglichkeiten gibt), die Möglichkeit einen automatischen Heftstich anzuwählen (das Feld mit dem Kreis) und die Einstellung der Oberfadenspannung (oben rechts in der Ecke). Diese elektrische Einstellung der Spannung finde ich übrigens nicht sonderlich gelungen. Ich habe fast ständig die Oberfadenspannung von den voreingestellten 7-9 auf ungefähr 2 stellen müssen, da sonst kein ordentliches Stichbild entstand. Beim Wechsel zwischen den Stichen musste ich das immer und immer wieder machen. Ohne Grund, da sich sonst ja nichts geändert hatte (gleiches Garn, gleiche Nadel, gleiches Nähgut). Natürlich vergisst man das dann mal und schon darf man sich wieder meiner Lieblingsbeschäftigung widmen: auftrennen. Da wäre eine Speicherung der Einstellungen sicherlich sinnvoll! Allerdings denke ich eh, dass an der Maschine irgendwas nicht stimmte, da ich die Oberfadenspannung immer sehr stark verändern musste. Auf der voreingestellten Zahl gab es jedes Mal einen straffen Oberfaden, den man einfach raus ziehen konnte.

Klickt man auf das Haus, kommt man ins Menü, auf den Pfeil, geht man einen Schritt zurück. 

Das Display reagiert schnell und gut. Man kann einen "Tastenton" anschalten, was ich aber nervig finde. Die Oberfläche ist matt, d.h. es gibt keine störenden Reflexionen.
 Der Unterfaden sitzt unter einer durchsichtigen Abdeckung, was laut Artikelbeschreibung dafür sorgt, dass man ihn immer im Blick hat & somit rechtzeitig erneuert werden kann. Naja... ich kenne es nur so & das hat noch nie dafür gesorgt, dass ich nicht erst nach der halben Naht merkte, dass ich den Stoff nur noch punktierte^^. Immerhin liegt der Stoff AUF dem Sichtfenster. Wie soll man so den Füllstand im Blick haben? Da war der Unterfaden-Sensor in der Brother Innov-is V3 wirklich Luxus dagegen ;)

Was man auf dem Bild ganz schön sieht: der Lichtkegel ist nicht grade berauschend. Man benötigt also auf jeden Fall einen gut beleuchteten Arbeitsplatz!
 An der Seite der Maschine gibt es die Möglichkeit den Füßchendruck einzustellen. Position 1 für dünne Stoffe, drei für besonders dicke. Ich habe festgestellt, dass sich Jersey in Position 1 am besten verarbeiten lässt.
 So sieht die Maschine von oben aus. Wie es sich gehört mit guter Schritt-für-Schritt-Erklärung des Garn-Einfädelwegs (einmal zum Umspulen -rechts- und zum nähen -links-). Hier fällt auf, dass die Verblendung der Singer so weit nach oben gezogen ist, dass man eigentlich nichts vom Garn sieht, wenn man vor der Maschine sitzt. Find ich nicht so optimal, aber man gewöhnt sich dran. Wahrscheinlich verstehen die Meisten nicht mal, wieso ich überhaupt das Garn sehen möchte ;) 
Nicht so gut gefällt mir ebenfalls die Dicke der Führungen. Beim Einfädeln von 2 auf 3 "flutscht" der Faden einfach nicht, man muss ihn richtig runter schieben. Schwer zu beschreiben, was ich sagen möchte... Müsste man selbst ausprobieren ;)

Nun zum Nähen:

Also eins muss man ihr lassen, sie schnurrt geradezu. Klar kann sie auch tackern, grade bei sehr schnellem Zickzack-Stich, aber die meiste Zeit ist sie die Ruhe selbst. In der Hinsicht steht also nächtlichen Nähsessions nichts im Wege.
    Meinen Tajo hab ich Euch hier schon gezeigt. Bei ihm konnte ich viele verschiedene Funktionen ausprobieren. Knopflöcher, Reißverschluss einnähen, Obertransportfuß etc. Hat auch alles ganz gut geklappt. Ich hab noch nie mit einem Synchronnähfuß genäht, war aber wirklich toll. In der langsamen "Gangart" hörte es sich an wie ein trabendes Pferd^^. Allerdings muss ich sagen, dass ich ihn nur verwendet habe, da die Maschine mit den drei Lagen (Baumwollstoff, Vlies und Kuschelfleece) nicht klar kam. Das Problem hatte ich dann auch bei meinem Babyquilt.
     Das einfache Nähen Baumwolle auf Baumwolle ging super, sobald die richtige Oberfadenspannung gefunden war (wenn man meine ungenauen Mitten ignoriert^^).
Bei den Applikationen gab es dann Schwierigkeiten. An den Ecken blieb die Maschine hängen und nähte nur noch an einer Stelle, bis sich kleine Berge gebildet hatten und gar nichts mehr ging... Bis ich die eine Applikation fertig hatte, musste ich sicher 5 x solche Berge auftrennen und später noch mit Nadel und Faden nachbessern. Und dabei war es egal, ob ich den Applikationsfuß oder den Standardnähfuß verwendete.
 Am nächsten Tag klappte es dafür auf einmal ohne Probleme. Wieso auch immer. Wobei ich die Stichlänge von 0,3 auf 0,5 gestellt habe, vielleicht war das der Grund...
 Dafür klappten aber die "normalen" Steppnähte gar nicht mehr. Ich wollte sie eigentlich mit Stickgarn nähen, damit sie schön glänzen, aber das klappte überhaupt nicht. Ein Fadengehuddel nach dem anderen. Also habe ich normales Nähgarn eingelegt. Damit lief es zwar wieder besser, aber die Stichlänge variierte sehr (siehe Bild). Am nächsten Tag war das auch wieder gut.
 Das Freihandquilten dagegen klappte sofort und machte großen Spaß (auch wenn ich eindeutig mehr Übung brauche um schöne Ergebnisse zu erzielen!). Leider (öhm... immer diese Höfflichkeitswörter^^) ist die Testzeit jetzt ja schon um, so dass ich mit der nächsten Maschine damit fortfahren werde. Was aber auch gar nicht schlecht ist, vielleicht akzeptiert sie mein Stickgarn ;)
 Beim Jersey hatte ich ebenfalls jede Menge Probleme. Auch hier war die Oberfadenspannung immer komplett falsch eingestellt. Nach längerem Rumprobieren bekam ich aber ganz schöne Ergebnisse. Mit dem Coverlock-Stich oben blieb der Jersey auch schön glatt,
 beim elastischen Stielstich gab es allerdings (die bei mir typischen und verhassten) Wellen.
 Eine Naht wollte ich erst mit einem Zierstich versäubern, da zog die Maschine plötzlich den Stoff ein (1) und wollte ihn nur durchs Abschrauben der Abdeckung wieder her geben. Also aufgetrennt. Mit dem Stielstich noch mal versucht, kurz vor der ersten Stelle das gleiche noch mal (2). Wieder aufgetrennt. Beim dritten Mal nähte ich ganz langsam über die Unglücksstelle, es schien alles zu klappen. Also gab ich Gas. Und promt verhedderte es sich wieder und riss mir leider diesmal den Stoff kaputt (3). Nach dreimaligem abschrauben der Abdeckung hatte ich keine Lust mehr und legte eine Pause ein. Nach einiger Zeit versuchte ich mich am zweiten Ärmel. Dort lief alles wie geschmiert. Versteht das einer? Ich nicht!
 Ansonsten funktionieren die Zierstiche (auf Baumwolle) sehr gut, ich bin nur absolut nicht der Zierstich-Mensch. Deswegen wurden sie nur kurz angetestet aber nicht verwendet.
Genauso verhält es sich mit den Spezialfüßen. Das Bild oben zeigt das Ergebnis des Rollsaumfuß-Testes. Sieht ganz schön und ordentlich ist, allerdings bildet der Jersey dadurch starke Wellen (was denke ich beabsichtigt ist?!), was mir nicht zusagt. Deswegen nur getestet, nicht verwendet. Der Kordonierfuß ist ebenfalls spannend, aber auch für ihn fehlte mir das richtige Projekt. Und die Zeit war einfach viel zu knapp um mir dafür etwas auszudenken. Schade, aber ist leider so. Böse Magen-Darm-Geschichte, hat mir alles versaut *grummel*.
Einmal passierte das ↑ beim Umspulen. Man sieht, dass es am Anfang ganz normal lief, ein bisschen Garn ist ja auf der Spule. Wieso der Rest aber oben drüber gewickelt wurde, ist mir ein Rätsel. Ich hab es leider erst nach ner ganzen Weile gemerkt (weil man eben nichts sehen kann wenn man davor normal sitzt), schade um das ganze Garn.

Es sind übrigens nur 4 Unterfadenspulen dabei. Viel zu wenig, wenn man gerne mit passendem Garn näht. Dabei ist das ja wirklich ein Cent-Artikel, da könnten es ruhig 10 sein.


Abschließend bleibt mir zu sagen, dass mein erster Eindruck teilweise revidiert werden konnte, aber teilweise leider auch nicht. Ich vermisse es noch immer, gleichzeitig das Fußpedal und die Start/Stopp-Taste zu verwenden, der mechanische Einfädler funktioniert mit kleiner Unterstützung ganz gut (wenn man sich dran gewöhnt hat ist das okay). Die Nadelposition beim stoppen (immer unten) ist beim normalen Nähen gar nicht so verkehrt, weil man so immer einfach den Stoff drehen kann ohne zu verrutschen. Und am Ende der Naht kann man den automatischen Abschneider verwenden, dann geht dabei die Nadel auch hoch. Aber bei bestimmten Sachen funktioniert der Abschneider nicht. Zum Beispiel beim Freihand-Quilten. Da wäre es schon schöner, wenn die Nadel am Ende oben stehen würde. Diese Wahlmöglichkeit fehlt ganz deutlich!

Am Meisten stört mich, dass die Maschine die Fadenspannung nicht speichert, so dass ich bei jedem Stichwechsel sie neu umstellen muss. Verpeilt wie ich bin resultierte das in jeder Menge Auftrennarbeit :/ Vielleicht hätte sich das Problem durch Einstellen der Unterfadenspannung leicht lösen lassen. Aber da davon nichts in der Bedienungsanleitung steht, überlass ich das den Profis bei der Wartung ;)

Außerdem war es immer ein Glücksspiel, ob eine Naht gelang oder nicht. Wieso sie mal prima lief und dann x Mal nacheinander den Stoff fraß, kann ich leider überhaupt nicht erklären. Aber so ist die Singer überhaupt nichts für mich. Ich möchte mich gerne auf meine Maschine verlassen können. Für Glücksspiele reicht meine alte aus. Leider. Aber auch jetzt muss ich noch mal drauf hinweisen, dass die anderen Tester bisher zufrieden waren und es vielleicht wirklich nur an genau der Maschine liegt, nicht an dem Modell.

Als nächstes bekomme ich nun die Pfaff Perfomance 5.0. Ich hoffe sehr, dass wir uns besser verstehen und freu mich schon auf Stress- und Fehlerfreies Nähen.


Pro:
*hochwertig, gut verarbeitet, sehr robust, fühlt sich super an
*klein & kompakt, relativ schwer (9,2 kg) -> gute Standfestigkeit
*Stichübersicht in der Klappe
*umfangreiches Zubehör mit spannenden Nähfüßen
*gutes Touch-Display mit matter Oberfläche (keine nervigen Spiegelungen)
*Füßchendruck einstellbar
*sehr leise (im Vergleich zu meiner eigenen Maschine)
*automatischer Fadenabschneider


Contra:
*Wenig Platz rechts von der Nadel -> ev. Platzprobleme beim quilten einer großen Decke
*Oberfadenspannung bei jedem Stich vorprogrammiert, bei Stichwechsel muss sie immer neu eingestellt werden, da sonst die vorgegebene verwendet wird
*Ausleuchtung
*Benutzung der Start-/Stopptaste bei eingestecktem Fußpedal nicht möglich
*Nadelposition beim stoppen nicht wählbar (immer unten)
*keine Sicht auf die Oberfadenspule da die Verkleidung so hoch gezogen ist
*Einfädelweg teilweise unpraktisch
*Einfädler funktioniert nur mit zusätzlicher Unterstützung
*teilweise große Probleme beim Nähen: voreingestellte Oberfadenspannung muss immer stark korrigiert werden (von ca. 7 auf 0-2), Transport funktioniert manchmal nicht richtig, Fadensalat, Maschine frisst den Stoff, Jersey schlägt Wellen
*nur 4 Unterfadenspulen

1 Kommentar:

  1. Das mit dem Maschinen testen ist ja sehr spannend! Schade dass dir diese nicht so viel Freude gemacht hat. Meine einen Maschine (ganz einfaches robustes Model, W6) hat auch immer mal wieder schlechte Momente. Meist hilft es einfach den Faben oben und unten heraus zu ziehen und komplett neu über die Führungen zu friemeln. Einen Unterschied in der Fadenführung sieht man nicht, aber sie näht wieder problemlos. Mysterien der Welt ;o)
    Liebe Grüße
    Jennifer

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